Design trifft Architektur - Z33

Design trifft Architektur - Z33

 

Ein Design, das die Stadt wählt

Z33 Hasselt

Wenn man Architektur als eine Geste versteht, die Unterschiede in der Welt auf eine zwingende Weise platziert, dann ist dieses Gebäude ein extremes Beispiel für Architektur.

 Flügel 19 ist das neue Ausstellungsgebäude des Z33, Haus für zeitgenössische Kunst, Design & Architektur. Darin stellt die italienische Architektin Francesca Torzo starke Ideen über die Natur und Positionierung der Architektur selbst vor. Darüber hinaus reagiert das Gebäude auf den bestehenden Kontext mit dem Flügel 58, dem Jenever-Museum und dem angrenzenden Beginenhof. Das Ergebnis ist ein Gebäude, das Besucher, Kuratoren und Künstler herausfordert. Sie werden nicht mit unberührten weißen Kästen konfrontiert, sondern mit Räumen, die einen eigenen Charakter haben. Das macht das Gebäude zu einem Geschenk, nicht nur für die Kunst, die dort untergebracht sein wird, sondern auch für die Besucher und die Stadt.
In den vergangenen 17 Jahren wurde der ehemalige Beginenhof und Ausstellungsraum Wing 58 von Z33 genutzt. Das Haus hat sich zu einer Kunstinstitution von internationalem Ruf entwickelt. Die thematischen Ausstellungen bieten oft eine Plattform für Künstler und Designer, die kurz vor dem Durchbruch stehen. Um 2010 wurde klar, dass es einen Bedarf für einen Raum gab, der diese Ambitionen besser erfüllen würde. Die Lage in der Stadt machte es jedoch nicht einfach, eine Lösung zu finden.
Z33 wählte den Vorschlag der italienischen Architektin Francesca Torzo, deren Konzept untrennbar mit dem umgebenden Stadtgefüge verbunden ist. Torzo traf auf eine Stadt mit einer Abfolge von Gängen und Höfen. Sie verstand, wer vor uns hier lebte, und verstand, wer nach uns hier leben wird. Der Raum zum Gehen in Hasselt wurde in eine schwindelerregende räumliche Komplexität übersetzt. Dieses Spiel von Wänden, Schwellen und Durchblicken lenkt Ihre Aufmerksamkeit auf eindringliche Weise auf die Fähigkeit der Architektur, Ihre Wahrnehmung und Erfahrung zu lenken.
Am auffälligsten ist die Fassade an der Bonnefantenstraat, dem zukünftigen Haupteingang des Gebäudes, die fast vollständig geschlossen ist, abgesehen von einem einzigen kleinen Einschnitt in einer großen, ungebrochenen Wand. Die verwendeten Ziegel haben eine ungewöhnliche Rautenform in tiefvioletten, rötlichen Farbtönen. Diese Aussage zwang Torzo zu einer Menge Nachdenken. Das Ergebnis ist wie ein Puzzlestück, das sich zwischen Wing 58, dem Beginenhof, dem Gin-Museum und den Häusern weiter unten in der Straße zusammenfügt.

Dieses Projekt bietet echte Architektur zum Ausstellen von Kunst, anstatt sie in einem aufwendig dekorierten Gebäude zu unterdrücken.

Wing 19 bietet Ihnen eine erstaunliche Bandbreite an räumlichen Erfahrungen. Das liegt an den bemerkenswerten Unterschieden in der Breite, Höhe und Länge der Räume, aber auch an der Art und Weise, wie sie ineinander übergehen. Im ersten Stock des Neubaus befindet sich ein großer Raum, mit weitem Blick auf den bestehenden Flügel. Das Relief an der Decke hat hier eine wellenförmige Bewegung, die dem unregelmäßigen Grundriss der Räume folgt. Die Erfahrung, die das Gebäude bietet, ist nicht nur visuell, sondern bietet auch starke taktile und räumliche Empfindungen. Diese Komplexität ist rein architektonisch und wird nicht durch Referenzen, übermäßige Technik etc. behindert. Durch die vielen Übergänge, Lichtunterschiede etc. wirkt das Gebäude auch wie eine Miniaturstadt, eine Analogie zum Raum des Beginenhofs selbst mit seiner Abfolge von immer kleineren Räumen. Diese Architektur widerspricht dem Stil neuerer Gebäude, die von außen spektakulär aussehen, aber im Inneren sind die eigentlichen Ausstellungsräume nur weiße Kästen.  Flügel 19 kann nicht vollständig verstanden werden, ohne seinen Kontext zu kennen.

Fotografie Olmo Peeters